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Jahresabschluss 2014 Ertrags- und Vermögenslage

Das Wirtschaftsjahr 2014 zeigt eine deutliche Veränderung der Ergebnissituation des Erzbistums. Die niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt haben darauf einen wesentlichen Einfluss. Hohe Zuführungen zu den Pensionsrückstellungen bei gleichzeitigen – auch rückwirkenden – Tarifanpassungen führen zu höheren Aufwendungen. Trotz steigender Kirchensteuereinnahmen verzeichnet das Erzbistum Köln einen Jahresfehlbetrag.

Das Erzbistum Köln ist nach der Zahl seiner Mitglieder die größte deutsche Diözese. In 527 rechtlich selbstständigen Kirchengemeinden, die in 180 Seelsorgebereichen zusammengefasst sind, leben gut zwei Millionen Katholikinnen und Katholiken.

Die Entwicklung der Mitgliederzahl ist rückläufig. Dazu trägt insbesondere der demografische Wandel bei. So übersteigt die Zahl der Sterbefälle die Anzahl der Taufen regelmäßig um das 1,4- bis 1,5-fache. Im Berichtsjahr 2014 wurden im Erzbistum 14.024 Taufen gefeiert, dem standen 19.711 Sterbefälle gegenüber. Die Zahl der Kirchenaustritte stieg gegenüber dem Vorjahr um rund 2.500 auf knapp 20.000 und lag damit über dem langjährigen Durchschnitt. Unter Berücksichtigung von Zuwächsen durch Zuwanderung hat sich die Anzahl der Katholiken insgesamt um 21.489 Mitglieder auf nunmehr 2.034.684 Mitglieder vermindert. Das entspricht einem Rückgang von 1,0 Prozent.

Durch Finanzzuweisungen und Zuschüsse an die Kirchengemeinden und Verbände schafft das Erzbistum die wirtschaftlichen Grundlagen für die kirchliche Arbeit. So fließt der überwiegende Teil der Kirchensteuereinnahmen, die das Erzbistum verwaltet, in die Seelsorge und die karitative Arbeit vor Ort.

Das Erzbistum Köln steht auf einer soliden wirtschaftlichen Basis. Das vorhandene Vermögen deckt die langfristigen Verpflichtungen und stellt darüber hinaus Mittel bereit, damit die Kirche ihren vielfältigen Aufgaben nachkommen kann. Außerdem sorgt das Erzbistum für den Erhalt der notwendigen Infrastruktur und investiert in den Ausbau von Leistungen, wenn die gesellschaftlichen Bedingungen oder der konkrete Bedarf es erfordern.

ENTWICKLUNG DER KIRCHENSTEUERERTRÄGE

Die wesentlichen Erträge des Erzbistums Köln resultieren wie in den vorangegangenen Jahren aus der Kirchensteuer. Ihr Anteil an den ordentlichen Erträgen liegt mit 76,3 Prozent sogar noch höher als im Vorjahr (70,6 Prozent). Da die Kirchensteuer die bedeutendste Einnahmequelle des Erzbistums Köln ist, erwachsen aus ihren prognostizierten und tatsächlichen Veränderungen erhebliche Risiken, die sich kurzfristig nicht durch Strukturanpassungen ausgleichen lassen.

Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Erträge aus Kirchensteuern netto um 16,3 Mio. Euro auf 588,9 Mio. Euro an. Die Erträge aus Zuweisungen der öffentlichen Hand, insbesondere für den Betrieb der Schulen, lagen stabil bei 116,5 Mio. Euro (Vorjahr: 117,9 Mio. Euro). Einen erheblichen Rückgang um 53,9 Mio. Euro gab es bei den sonstigen Erträgen. Der Rückgang ist im Wesentlichen auf Sondereffekte zurückzuführen. Im Vorjahr waren in erheblichem Umfang Rückstellungen aus der Clearing-Abrechnung – der Verrechnung von Kirchensteuererträgen zwischen den Bistümern – aufzulösen, was zu Erträgen führte. Im Jahr 2014 waren hingegen neue Rückstellungen zu bilden.

Erträge aus der Kirchensteuer in TEUR

Erträge aus der Kirchensteuer in TEUR

PERSONALAUFWENDUNGEN STEIGEN

Den gesamten ordentlichen Erträgen von 771,6 Mio. Euro stehen Aufwendungen in Höhe von 801,1 Mio. Euro gegenüber. Die Aufwendungen aus Zuweisungen und Zuschüssen lagen um 1,7 Mio. Euro über dem Vorjahreswert. Insgesamt werden rund 60 Prozent der Erträge aus Kirchensteuern direkt in Form von Zuweisungen und Zuschüssen an die Kirchengemeinden und Gemeindeverbände sowie andere kirchliche Organisationen weitergegeben.

Deutlich gestiegen sind die Personalaufwendungen. Sie kletterten um 39,7 Mio. Euro bzw. 15,7 Prozent auf insgesamt 292 Mio. Euro. Dieser überproportionale Anstieg hat vor allem zwei Gründe: Zum einen wurden höhere Rückstellungen für die Pensions- und Beihilfeverpflichtungen des Bistums gebildet. Zum anderen stieg die Besoldung für die beamtenähnlich Beschäftigten zum 1. Januar 2014 um 1,0 Prozent und zum 1. Mai 2014 um 0,3 Prozent für die Besoldungsgruppen A11 bis A12 sowie für die Besoldungsgruppen A13 bis A16 zum 1. September 2014 um 1,3 Prozent. Im Bereich der Angestellten erhöhten sich die Vergütungen in allen Vergütungsgruppen zum 1. August 2014 um 3,0 Prozent beziehungsweise mindestens 90 Euro. Die Personalaufwandsquote erhöhte sich deshalb von 34,3 Prozent auf 39,1 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten änderte sich dagegen nur unwesentlich. Im Geschäftsjahr 2014 beschäftigte das Erzbistum Köln durchschnittlich 4.320 Mitarbeiter. Im Vorjahr waren es 4.347.

ZINSENTWICKLUNG HAT ERHEBLICHEN EINFLUSS

Die aktuelle Niedrigzins-Situation hat erhebliche Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung des Erzbistums. Aufgrund der internationalen Wirtschafts- und Finanzmarktkrise befinden sich die Zinsen von langfristigen sicheren Anlagen auf einem Rekordtief. Zehnjährige Anleihen des Bundes werfen nur noch eine Rendite von 0,5 Prozent ab. Neben sinkenden Kapitalerträgen führt dies zu Belastungen durch die notwendige Dotierung von Rückstellungen, vor allem für die Versorgungsverpflichtungen gegenüber Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Das sukzessive Absinken des Zinsniveaus erfordert eine stetige Neubewertung der Verpflichtungen, was insbesondere bei langfristigen Positionen erhebliche Effekte hervorruft und deutliche Nachdotierungen bei den Rückstellungen für Pensionen und Beihilfen erfordert. Im Finanzjahr 2014 ist der zur Kalkulation der Pensionsrückstellungen zu verwendende Diskontierungszins von 4,88 Prozent auf 4,54 Prozent gefallen. Dies hat zu einem zusätzlichen Aufwand von 21,1 Mio. Euro geführt. Das niedrige Zinsniveau vermindert auch die Möglichkeit, in Zukunft aus den bestehenden Anlagen auskömmliche Erträge zu erwirtschaften.

ERGEBNIS GEHT DEUTLICH ZURÜCK

Durch die Zinsentwicklung und die Tarifanpassungen stiegen die Aufwendungen stärker als die Erträge. Auch das Finanzergebnis von 23,7 Mio. Euro konnte die so entstandene Lücke nicht vollständig ausgleichen. Das Erzbistum Köln weist deshalb 2014 einen Jahresfehlbetrag von 5,9 Mio. Euro aus. Dies ist eine deutliche Veränderung gegenüber dem Wirtschaftsjahr 2013, das mit einem Überschuss von 59,2 Mio. Euro abschloss.

STABILE VERMÖGENSLAGE

Die Sachanlagen haben sich im Jahr 2014 um 6,3 Mio. Euro erhöht. Den Zugängen in Höhe von 31,8 Mio. Euro stehen planmäßige Abschreibungen in Höhe von 24,6 Mio. Euro sowie Buchwertabgänge von 1 Mio. Euro gegenüber. Der Anteil der Sachanlagen am Gesamtvermögen des Erzbistums Köln beträgt 19,1 Prozent.

Das Finanzanlagevermögen des Erzbistums stellt mit einem Anteil von 72,9 Prozent am Gesamtvermögen den wesentlichen Vermögenswert der Bilanz dar. Von den Finanzanlagen dienen 931 Mio. Euro zur Deckung der Altersversorgungsverpflichtungen des Erzbistums.

Das Verhältnis der flüssigen Mittel zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten zum Abschlussstichtag beträgt 134,3 Prozent. Aufgrund der gestiegenen Bilanzsumme ist bei einem um 5,9 Mio. Euro gesunkenen Eigenkapital die Eigenkapitalquote von 74,0 Prozent zu Beginn des Jahres um 1,6 Prozentpunkte gesunken, sie liegt zum Stichtag aber immer noch auf dem sehr hohen Wert von 72,4 Prozent.

Die Zusammensetzung des Eigenkapitals hat sich nur geringfügig verändert. Während das Bistumskapital, also das Eigenkapital im engeren Sinne, und die Ausgleichsrücklage unverändert blieben, wurden die Zuführung zur Bauerhaltungsrücklage, die Erhöhung der Pensionsrücklagen sowie der Ausgleich des Jahresfehlbetrages aus der Ergebnisrücklage getragen, die von 34,9 auf 14,0 Mio. Euro sank.

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