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Einführung Langfristig planen, flexibel handeln

Herr Schon

Die Kirche ist eine Glaubensgemeinschaft. Als lebendige Organisation steht sie mitten im gesellschaftlichen – und wirtschaftlichen – Leben. Nach dem katholischen Selbstverständnis gehören Glauben und Handeln zusammen. Folglich ist es eine Aufgabe der Kirche, dieses konkrete Handeln im Alltag in eine Ordnung zu bringen. Organisation und Planung tragen so dazu bei, dass der Auftrag des Glaubens nachhaltig erfüllt werden kann.

Aus diesem Grund beschreibt der vorliegende Finanzbericht nicht nur das Vermögen und die wirtschaftliche Entwicklung des Erzbistums Köln im Jahr 2014. Er bindet die finanzielle Ordnung zugleich an die grundlegenden Werte kirchlichen Handelns. Die Werke der Barmherzigkeit sind dafür ein konkreter und aktueller Ausdruck.

Der zweite Finanzbericht des Erzbistums Köln gibt Auskunft über die wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2014. Die Aufgabe der Finanzplanung ist es, die Handlungsfähigkeit der Kirche zur Erfüllung ihrer Aufgaben durch die Bereitstellung finanzieller Mittel zu stärken und zu sichern. Der kirchliche Auftrag geht über die Linderung materieller Not hinaus. Die Verkündigung der frohen Botschaft steht an erster Stelle. Dass die Verkündigung stets mit Handeln einhergeht, zeigen die Beispiele auf den folgenden Seiten. Sie ziehen ganz bewusst eine Parallele zwischen theologisch-ethischer Basis und profanem wirtschaftlichen Handeln – und verdeutlichen darüber hinaus den Werte-Betrag, den die Kirche in unserer Gesellschaft leistet.

Der Finanzbericht 2014 des Erzbistums Köln knüpft an die erstmalige Veröffentlichung der Finanzlage des Erzbistums für das Jahr 2013 an. Neben der ausführlichen Darstellung der Strukturen und wirtschaftlichen Grundlagen liegt der Schwerpunkt des vorliegenden Berichts auf den Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr.

Dem Erzbistum Köln kommen die derzeit günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zugute. Die positive konjunkturelle Entwicklung führt zu steigenden Kirchensteuererträgen. Der aktuelle Trend wird allerdings den demografischen Wandel nicht aufhalten, so dass sich langfristig die ökonomischen Grundlagen für das Erzbistum verändern. Sie werden langfristig die Rahmenbedingungen für das Erzbistum verändern. Gleichzeitig sorgt die Niedrigzinsphase für Belastungen. Die Kapitalerträge fallen geringer aus, und das Erzbistum muss höhere Rückstellungen bilden, um seinen Versorgungsverpflichtungen nachkommen zu können.

Die Finanzsituation des Erzbistums ist indes stabil. Die Bilanz weist im Vergleich zum Vorjahr keine großen Veränderungen auf. Dennoch gibt es Veränderungen. Insbesondere beim Jahresergebnis ist ein erheblicher Umschwung zu verzeichnen. Nach einem Jahresüberschuss von fast 60 Mio. Euro im Jahr 2013 verzeichnen wir im Jahr 2014 einen Fehlbetrag von knapp 6 Mio. Euro. Durch die vorhandenen Rücklagen konnte das Erzbistum den Fehlbetrag auffangen und damit wie im Vorjahr ein ausgeglichenes Bilanzergebnis erzielen.

Ursache für den Umschwung im Ergebnis sind im Wesentlichen drei Faktoren. Positiv wirken die um 27,6 Mio. Euro gestiegenen Kirchensteuererträge. Dem gegenüber stehen negative Effekte aus der Verrechnung der Kirchensteuer zwischen den Bistümern in Deutschland, dem sogenannten Clearing-Verfahren. Während im Jahr 2013 ein Sondereffekt zur Auflösung von Rückstellungen (Ertrag) und niedrigeren Clearing-Vorauszahlungen führte, gab es im Jahr 2014 eine gegenteilige Entwicklung mit erhöhten Abschlagszahlungen und Zuführungen zu den Rückstellungen. Per Saldo beträgt die Ergebniswirkung rund 56,9 Mio. Euro. Die niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt bilden den dritten Faktor. Sie führen dazu, dass die Reserven zur Sicherung der Altersversorgung der Mitarbeiter erhöht werden müssen. Das belastet die Ergebnisrechnung mit weiteren 40 Mio. Euro.

Die Finanzplanung des Erzbistums muss stets sowohl die Entwicklung der eigenen Gemeinschaft als auch die gesamtwirtschaftliche Entwicklung berücksichtigen. Dies erfordert ein umsichtiges Veränderungsmanagement mit Blick auf die sich wandelnden Anforderungen. Es erfordert ebenso eine Transformation der Angebote und Leistungen entsprechend dem sich ändernden Bedarf in den Regionen beziehungsweise Kirchengemeinden.

Anhand der im Jahr 2014 spürbaren Herausforderungen für das Ergebnis beziehungsweise die Bilanz zeigt sich, dass die grundlegende Finanzstrategie des Erzbistums tragfähig ist. Im Vordergrund der Entscheidungen steht immer die langfristige, verlässliche Erfüllbarkeit der Aufgaben und die Ausfinanzierung der Verpflichtungen. Darüber hinaus gilt es, in Notlagen handlungsfähig zu sein und bei Bedarf die Partner im Erzbistum und in der Weltkirche kurzfristig zu unterstützen.

Wie im Vorjahr enthält der Finanzbericht den gemeinsamen Abschluss des Erzbistums und des Erzbischöflichen Stuhls. Die Finanzen beider Rechtträger werden gemeinsam verwaltet und sind deshalb in einer Bilanz und einer Ergebnisrechnung zusammengefasst. Darüber hinaus gibt dieser Bericht Auskunft über den Jahresabschluss weiterer Rechtsträger im Erzbistum Köln. Das Erzbischöfliche Priesterseminar, die Hohe Domkirche, das Metropolitankapitel der Hohen Domkirche sowie die Stiftungen, die vom Erzbistum Köln verwaltet werden, agieren als selbstständige Körperschaften. Sie verfügen über eigene Vermögenswerte und erstellen eigene Jahresabschlüsse. Im Jahr 2014 ist der Erzbischöfliche Schulfonds Köln neu hinzugekommen. Diese Anstalt des öffentlichen Rechts entstand aus einer Vermögensübertragung des Landes Nordrhein-Westfalen. Das Erzbistum verwaltet diese Mittel außerhalb des Bistumsvermögens und setzt sie ein, um den Bildungsauftrag weiter zu stärken.

Mit dem vorliegenden Finanzbericht setzt das Erzbistum seinen Weg der Transparenz in Finanzfragen konsequent fort. Die Kirchensteuerzahler erwarten, dass die von ihnen bereitgestellten Mittel sinnvoll eingesetzt werden. Und sie haben ein Anrecht auf Information darüber, wie dies geschieht. Mit der offenen Darstellung und Diskussion kirchlichen Wirkens und der dafür erforderlichen finanziellen Grundlagen suchen wir den Dialog und lenken den Blick darauf, was Kirche in der Gesellschaft leistet. Für Fragen und Beiträge sind wir offen.

Herzlichst
Ihr

Unterschrift Schon

Hermann J. Schon
Ökonom des Erzbistums Köln