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Barmherzigkeit Telefonseelsorge: Vertrauen und Vertraulichkeit per Telefon

Ein Gebäude mitten in Köln. Eine Wohnung mit Küche, zwei Büros und ein Raum des Zuhörens, der Anteilnahme und des Gesprächs – genannt das Telefonzimmer. Darin: Ein Regal mit Büchern und Behältern mit Lakritzschnecken, Gummibärchen und anderer „Nervennahrung“, wie es die Leiterin der Telefonseelsorge Köln, Annelie Bracke, schmunzelnd ausdrückt. Gegenüber an der Wand hängt ein Mini-Altar, „unser Altärchen“, mit einem Kreuz, einer Kerze und selbstgestaltetem Gebetbuch. Daneben mit Blick aus dem Fenster ein Schreibtisch mit drei Telefonen, zwei Headsets, ein Kabel-Telefon mit Telefonhörer. „Wenn hier jemand anruft, wird seine Rufnummer automatisch unterdrückt. Wir sehen die Nummer nie“, erklärt Bracke, die bereits seit 23 Jahren hier arbeitet, seit 15 Jahren als Leiterin.

Telefonseelsorge
Annelie Bracke leitet die Telefonseelsorge Köln.

RUND UM DIE UHR ERREICHBAR

Familiäre und Alltagsbeziehungen, Stress, Ärger, Aggressionen, Einsamkeit und Probleme in der Partnerschaft. Das sind neben dem großen Thema „Suizid“ die häufigsten Themen, mit denen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Telefonseelsorge Köln konfrontiert werden. In vier Schichten arbeitet das Team – 24 Stunden lang. Auf ihre vielen Ehrenamtler ist Annelie Bracke dabei besonders stolz. „Das sind alles hochmotivierte Leute, eine bunt gemischte Gruppe, aus ganz unterschiedlichen Lebenszusammenhängen“, schwärmt sie. Ein Jahr lang dauert die Fortbildung zum Mitarbeiter der Telefonseelsorge. 130 Zeitstunden insgesamt, unter anderem mit wöchentlichen Gruppensitzungen, drei Wochenenden und Hospitationen bei bereits erfahrenen Kollegen. Alle zwei Wochen kommt das Team zur Supervision zusammen. Rund 1.800 Anrufe landen bei der Telefonseelsorge Köln. Im Monat. Dass nahezu jeder mittlerweile ein Handy hat, ist ein Grund für diese hohe Zahl. Gerade bei Kindern und Jugendlichen merkt Annelie Bracke das am meisten. Wie viel „berühren lassen“ gehe? Diese Frage hat Annelie Bracke erwartet: „Das Maß ist, so viel wie ich aushalte. Wenn ich traurig werde, hat das meist mit mir selbst und mit meiner Geschichte zu tun. Es sind auch nicht immer die erschütterndsten Geschichten. Es kann auch sein, dass mich ein Gespräch mit einem Jugendlichen stark berührt, der Liebeskummer hat.“ Diese Wohnung mitten in Köln, dieser Ort des Zuhörens und der Anteilnahme ist einer, an dem gelebte Barmherzigkeit spürbar ist. Eine Anruferin hat einen Brief geschrieben, der an der großen Pinnwand auf dem Flur hängt: „Danke an alle aus der Telefonseelsorge Köln für die Hilfe in schweren Zeiten über viele Jahre“.

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