Download als PDF

Barmherzigkeit Sterbebegleitung: „Wir geben viel und bekommen sehr viel“

Sie sind da, um ihre Gäste, sterbenskranke Menschen, in ihren letzten Tagen und Wochen zu begleiten. Sie sind da, um den Angehörigen der Gäste zuzuhören. Und sie sind da, um Hoffnung zu schenken. Hoffnung darauf, dass mit dem Tod nicht alles vorbei ist. Hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der insgesamt 12 Hospize im Erzbistum Köln setzen Tag für Tag diesen Arbeitsauftrag um, mit Empathie, Zuwendung und echter Hingabe. „Wir geben viel, aber wir bekommen auch sehr viel“, sagt Andrea Wilgo, Leiterin des Augustinus Hospizes in Neuss. Das frisch renovierte und erweiterte Gebäude ist freundlich, hell und einladend. Es gibt einen Innenhof mit kleinem Brunnen und einen großen Park. Die insgesamt zwölf Zimmer, zehn für Gäste, zwei für deren Angehörige, sind großzügig und können individuell eingerichtet werden. Ein Kreuz aus Kevelaer hängt an der Wand, in jedem Zimmer ein anderes. „Diese Kreuze symbolisieren nicht nur das Leid, sondern auch das Leben. Deshalb der Baum mit den Blüten“, erklärt Schwester Praxedis, Generaloberin der Neusser Augustinerinnen, die das Hospiz tragen. Spitzenverbandlich werden die Hospize vom Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln vertreten.

Gefaengnis
Schwester Praxedis, Generaloberin der Neusser Augustinerinnen, hält den Namen und die Lebensdaten eines verstorbenen Gastes auf ei­nem Holzstern fest. Ein Strauß mit den Sternen gedenkt in der Eingangshalle des Hospizes der Verstorbenen des Jahres. Wenn ein Gast stirbt, wird hier wie vor sei­nem Zimmer eine Kerze aufgestellt.

STARKES TEAM

Im Augustinus Hospiz Neuss ist Leiterin Andrea Wilgo für insgesamt 22 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter verantwortlich. „Es geht nicht um den Kampf gegen die Krankheit, sondern um das bestmögliche Leben mit ihr“, erklärt sie. Deshalb haben alle Kolleginnen und Kollegen eine palliativpflegerische Weiterbildung besucht und können so die Gäste des Hospizes meist vor Schmerzen, Atemnot oder Übelkeit bewahren. Aber auch psychologische, soziale und seelsorgerische Kompetenz ist in der Betreuung und Begleitung von Sterbenskranken gefragt. „Palliative Care“, nennen das die Experten. „Meine Aufgabe ist es, den Mitarbeitern Zeit und Raum zur Verfügung zu stellen, dass sie diese schwere Aufgabe bewältigen können“, sagt Andrea Wilgo, und man merkt, wie ernst sie diese Aufgabe nimmt. Erika Heitschötter wohnt seit Ende September im Augustinus Hospiz. Eine unüblich lange Zeit, denn im Schnitt leben die Gäste hier nur drei bis vier Wochen, ehe sie sterben. „Vielleicht schafft sie es ja noch bis Weihnachten“, hofft ihre Tochter und ringt mit den Tränen. „Nicht weinen“, tröstet ihre sterbenskranke Mutter, „Mama ist ja noch da“. Danach erzählt Erika Heitschötter, wie wohl sie sich hier im Augustinus Hospiz fühlt. „Besser könnte ich es nicht treffen, diese Einrichtung ist ein Geschenk des Himmels.“

Mehr über unseren Einsatz in der Hospizarbeit

Weiterlesen