Download als PDF

Barmherzigkeit Gefängnisseelsorge: Eine Tür bleibt offen

Bereits der Eintritt in die Justizvollzugsanstalt (JVA) Wuppertal-Ronsdorf ist ein besonderer Moment, als die schwere, automatisch schließende Eingangstür ins Schloss fällt. „Das Thema fehlender Außenkontakt ist hier ein ganz großes“, sagt Günter Berkenbrink, Gemeindereferent und seit Eröffnung der JVA Wuppertal-Ronsdorf 2011 Gefängnisseelsorger hier. Nachdem lange Gänge durchschritten und mindestens ein Dutzend Türen aufgeschlossen sind, schließt Günter Berkenbrink auch sein Büro mit seinem großen Generalschlüssel auf, aber normalerweise bleibt diese Tür dann offen, im Gegensatz zu den insgesamt 510 Zellentüren der jungen Männer, die hier bei Vollbelegung ihre Haftstrafe verbüßen. Zurzeit sind etwa 400 Gefangene hier.

Gefaengnis
Gefängnisseelsorger Günter Berkenbrink in seinem Büro in der Justizvollzugsanstalt Wuppertal-Ronsdorf.

BISTUMSWEITE SEELSORGE IM KNAST

16 Gefängnisseelsorger arbeiten im Erzbistum Köln. Wuppertal-Ronsdorf ist das einzige Jugendgefängnis im Erzbistum. Einzelgespräche sind eine Form der seelsorgerischen Arbeit von Berkenbrink, der seit 1998 Gefängnisseelsorger ist. Bis zu 15 Gefangene bitten täglich um ein solches Gespräch. Diese Unterhaltungen unterliegen der Schweigepflicht, deshalb öffnen sich die jungen Männer dem Gefängnisseelsorger meist schnell. Auch, weil sie spüren, dass er es wirklich gut mit ihnen meint. „Es geht um Trost ganz oft. Ich höre zu und teile auch Ohnmacht“. Manchmal verschenkt er einen Rosenkranz. „Der hat für viele deshalb eine große Bedeutung, weil er eben sofort zu etwas eigenem, etwas ganz persönlichem wird. Gebetet wird er fast nie, obwohl ich den Gefangenen immer sage: Wenn ihr einmal rund seid, seid ihr eurer Haftentlassung eine halbe Stunde näher.“

Gefaengnis

Am Wochenende Kirchenbesuch – auch im Gefängnis. Vier Gottesdienste bieten Berkenbrink und seine drei Kollegen, zwei davon sind evangelisch, den Gefangenen an, mit vorbereitet von sechs bis acht Gefangenen, die sich jeden Mittwochabend treffen. Dass die kleine, moderne, helle Kirche meist gut gefüllt ist, hat wiederum oft mit dem Thema „fehlender Außenkontakt“ zu tun. Zu Beginn einer Untersuchungshaft verbringen die jungen Männer nämlich bis zu 21 Stunden in ihrer Zelle. „Da ist jede Art von Abwechslung willkommen, auch ein Gottesdienst“, schmunzelt Berkenbrink, wird kurz darauf aber sehr ernst. „Die Atmosphäre hier ist oft so konzentriert, so dicht, gerade dann, wenn die Jungs hier ihre Kerze entzünden und das Licht weitergeben.“ Wer für sie Licht ist, hat der Gefängnisseelsorger sie mal gefragt, als es um die Bergpredigt ging. Die Antwort war: „Sie, Herr Berkenbrink. Einfach, weil sie da sind.“

Mehr über unseren Einsatz in der Gefängnisseelsorge

Weiterlesen