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Barmherzigkeit Bildungsarbeit: „Mein Lieblingswort ist Deutschland“

Mustafa Musto ist 43 und kommt aus Aleppo, der Stadt im Norden Syriens, in der nahezu kein Stein mehr auf dem anderen steht. Er ist mit seiner Frau und seinen sechs Kindern geflohen. Nach Deutschland konnte er nur drei seiner Kinder mitnehmen. Er vermisst die anderen, dennoch ist er dankbar, so wie die anderen 16 Teilnehmer des Deutsch-Sprachkurses in Bonn. „Ich fühle mich sicher und frei hier“, sagt Saad Al Mahmoud, wie Musto aus Syrien stammend, „ich will gutes Deutsch lernen“. „Sie sind sehr fleißig“, lobt Kurslehrerin Maysaa Najeeb ihre internationale Gruppe von Flüchtlingen, für die das katholische Bildungswerk Bonn diesen Sprachkurs anbietet. Neun Syrer, sechs Iraker, ein Algerier und ein Mann aus Ghana lernen hier gemeinsam. Sie alle wollen nur eins: in Deutschland bleiben und möglichst schnell die Sprache mit der „schwierigen Grammatik“ lernen, wie Saad Al Mahmoud es ausdrückt.

„Ich fühle mich sicher und frei hier.“

KOSTENFREIES BILDUNGSANGEBOT

Das Bildungswerk der Erzdiözese Köln e.V. hat Sprachförderangebote für Flüchtlinge zu einem seiner Schwerpunkte gemacht. Neben den offiziellen Integrationskursen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, die nur Flüchtlinge besuchen dürfen, die das Asylverfahren erfolgreich durchlaufen haben, bieten die Katholischen Bildungswerke auch denjenigen Flüchtlingen ein kostenfreies Sprachförderangebot an, denen der Zugang zu staatlich gefördertem Sprachunterricht verwehrt bleibt. Im Jahr 2015 haben die mehr als 390 Sprachförderangebote rund 7.400 Flüchtlinge besucht. Das Angebot umfasst niedrigschwellige Kurse zur Erstorientierung, aber auch Alphabetisierungskurse, außerdem Anfänger- und Fortgeschrittenenangebote in Deutsch. Dank vieler Kooperationspartner und den Pfarrgemeinden können die Sprachkurse bei den Menschen vor Ort stattfinden. So wie im Pfarrheim der Gemeinde St. Johannes Baptist und Petrus in Bonn.

Deutschkurs
16 Teilnehmer lernen im Pfarrheim der Bonner Kirchengemeinde St. Johannes Baptist und Petrus bei Maysaa Najeeb Deutsch. Die Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, Algerien und Ghana wollen möglichst schnell die neue Sprache lernen. Das Bildungswerk der Erzdiözese Köln e. V. bietet in insgesamt elf Bildungswerken und neun Familienbildungsstätten auch jenen Flüchtlingen kostenfreien Sprachunterricht, denen der Zugang zum staatlich geförderten Sprachunterricht verwehrt ist.

VIER KRANKHEITEN, EIN MEDIKAMENT

Maysaa Najeeb ist 2007 nach Deutschland gekommen, geboren ist sie in Bagdad. Seit Anfang des Jahres unterrichtet die ausgebildete Tierärztin hier und fordert ihre Teilnehmer. „Welches Wort passt nicht zu den anderen? Übelkeit, Husten, Fieber, Schmerzen, Tablette“, fragt sie. Elie Bedros meldet sich, liest die Worte noch einmal vor und sagt dann richtig: „Tablette“. Um sicher zu gehen, dass alle wirklich wissen, welche Bedeutung die einzelnen Worte haben, fragt Maysaa Najeeb zwischendurch immer mal wieder, wie die deutschen Worte auf Arabisch heißen. Danach geht es aber direkt auf Deutsch weiter. „Mein Lieblingswort ist übrigens Deutschland“, sagt Al Mahmoud, „und tschüss“.

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